Lactose Sensor




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Lactose Sensor

Kapitel 47
Laktoseintoleranz und Genetik

Schulungsvideo

Gesprochener Text des Videos

Kapitel 47: Laktoseintoleranz und Genetik (Lactose Sensor)

Das ist eine Schulung für die Beratung für Laktoseintoleranz im Bezug auf Genetik, im spezifischen auf den Lactose Sensor. Diese Analyse erfüllt zwei Zwecke, darunter ist aber keine Vorsorge. Das heißt, dass wir durch die Genanalyse keine spezifische Vorsorge betreiben, sodass es weniger wahrscheinlich zu einer Laktoseintoleranz kommt. Wir können die Erkrankung aber sofort erkennen. Normalerweise dauert es im Schnitt fünf Jahre, bis sie richtig erkannt wird. Des Weiteren können wir sie effektiv behandeln, was der wirkliche Nutzen einer Genanalyse ist.

Die Laktoseintoleranz ist zwar eine genetische Erkrankung, aber es ist nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Wir schauen uns einmal den Verdauungsmechanismus für Laktose an: Laktose ist ein Zucker, der eigentlich wie zwei Legosteine aus zwei verschiedenen Zuckerarten besteht und diese zwei aneinander gekoppelten Zuckerarten können nicht direkt im Darm aufgenommen werden. Dafür braucht es erst das Laktase-Enzym, das vom Laktase-Gen produziert wird. Ein Enzym können Sie sich wie eine Schere vorstellen, die die Laktose auseinander schneidet und in kleinere Zucker spaltet. Es spaltet die Laktose in Glukose und Galaktose. Diese sind kleinere Zucker, die direkt aufgenommen werden können.

Babys, die mit Milch gefüttert werden, haben genau dieses Gen und können Milch verdauen. Sie nehmen Laktose auf, spalten sie und können den Milchzucker verwerten.

Nun ist die Evolution sehr sparsam und in der Steinzeit war es so, dass für die Babys genügend Milch zur Verfügung stand und sie das Laktase-Gen brauchten. Bevor die Viehzucht begann, hatten die Erwachsenen allerdings keinen Zugang zu Milch, daher hatte sich die Evolution gedacht, wenn man im Erwachsenenalter sowieso keine Milch mehr bekommt, dann sparen wir uns die Energie das Enzym zu produzieren und schalten es einfach ab.

Das heißt es gibt ein genetisches Element, das im steigenden Alter langsam die Produktion reduziert und einstellt. Bei einem Steinzeitmenschen, der auf einmal Milch bekommen hätte, hätte es bedeutet: die Laktose wäre im Darm gelandet und das Enzym wäre nicht produziert worden. Laktose dient dann als Nahrungsquelle für Bakterien im Darm, die dann alle möglichen Säuren im Darm produzieren und schwere Verdauungsprobleme hervorrufen.

Das heißt also die Produktion des Enzyms ist in jungen Jahren hoch und nimmt dann kontinuierlich ab, bis es irgendwann zu Symptomen der Laktoseintoleranz führt. Dies betrifft 1 von 6 Europäern. Wie gesagt, ist es eigentlich der Normalzustand.

Es gibt allerdings Menschen mit einem Snip. Für diejenigen, die nicht wissen was ein Snip ist, gibt es eine Schulung zum Konzept der Genetik, in dem es genau erklärt wird. In diesem Fall ist es eine Genvariation, die dazu führt, dass das Laktase-Gen im steigenden Alter nicht abgeschaltet wird. Die Menschen produzieren auch im hohen Alter noch dieses Enzym, können Laktose spalten und die gespalteten Zucker Glukose und Galaktose aufnehmen. Sie können also ohne Probleme Milch trinken. Bei 5 von 6 Europäern ist genau das der Fall. Das Laktose-Enzym wird konstant produziert und bis ins hohe Alter besteht keine Laktoseintoleranz.

Jetzt stellt sich eigentlich die Frage: Wenn der Normalzustand ist, dass die Produktion abnimmt und die Mutation dazu führt, dass das Enzym konstant produziert wird – Warum ist es so entstanden und erhalten geblieben und hat sich so weit verbreitet, dass 5 von 6 Europäern das Laktose-Enzym konstant produzieren?

Im Europa vor 10.000 Jahren betrieben die Menschen ein bestimmtes Maß an Viehzucht. Sie hatten also theoretisch schon Zugang zu Milch, konnten sie aber nicht trinken, weil sie Laktoseintoleranz waren. Alle Menschen hatten mit der Zeit die Produktion abgeschaltet.

Dann ist im Norden von Europa, vermutlich in der Gegend von Schweden, in einer Person eine Mutation passiert. Die Person hatte als erste die Genvariation und war die erste Person, die Milch trinken konnte ohne Symptome der Laktoseintoleranz zu bekommen. Es war eine harte Zeit, die Nahrung war knapp und viele verhungerten in Europa. Wir vermuten, dass die Person mit der Mutation mit der Milch von Tieren den Vorteil einer zusätzlichen Nahrungsquelle hatte und diese Person indirekt mit ihren Nachkommen Europa nachbesiedelt hat. Die Kinder hatten auch den Vorteil und waren laktosetolerant und hatten wiederum Kinder usw. Es ist so, dass 80% der Europäer direkte Nachkommen von dieser einen Person sind. Also die, die heute Milch trinken können.

Das Ganze passierte im Norden von Europa und so weiter man nach Süden geht, umso seltener wird die Laktosetoleranz. Im Rest der Welt ist es nicht passiert und die Menschen waren laktoseintolerant. Die Europäer waren allerdings sehr geschickt im Kolonisieren der Welt und haben in Nord- und Südamerika kolonisiert und mit ihnen hat sich auch die Laktosetoleranz verbreitet.

In Afrika und Asien sind nahezu 100% der Personen laktoseintolerant, während der von den Europäern besiedelte Raum zum größten Teil laktosetolerant ist.

Verschiedene Formen der Milchunverträglichkeit

Die Milchunverträglichkeit ist eine Form der Laktoseintoleranz, aber es gibt etwas wichtiges zu beachten, denn es gibt sehr viele verschiedene Formen davon.

Primäre Laktoseintoleranz

Das ist das, was wir besprochen haben. Sie betrifft 20% der Europäer und ist mit Abstand die häufigste Form der Laktoseintoleranz. Wenn eine Person sagt, dass sie laktoseintolerant ist, handelt es sich sehr wahrscheinlich um den Typ, wo sie im jungen Alter noch Milch trinken konnte und im steigenden Alter sich irgendwann die Symptome entwickelt haben, weil sich das Gen allmählich abgeschaltet hat.

Sekundäre Laktoseintoleranz

Es ist eine erworbene Erkrankung und hat nichts mit den Genen zu tun. Der Darm ist in diesem Fall auf irgendeine Weise beschädigt und kann deswegen keine Laktose aufnehmen. Die Gründe sind zum Teil noch gar nicht bekannt und es kann wirklich sein, dass die Umwelt irgendwie dazu geführt hat, dass die Person laktoseintolerant geworden ist. Man kann sie oft durch Beseitigung der Ursache wieder heilen.

Angeborene Laktoseintoleranz

Das ist die Laktoseintoleranz, die bei Kindern und Neugeborenen auftreten kann. Sie ist gravierender und die Mutation ist direkt im Laktase-Gen. Das heißt der Körper kann das Enzym gar nicht produzieren und es führt dann schnell zu Symptomen der Laktoseintoleranz. Es muss dann schnell auf eine alternative Milch umgestellt werden, um die Gesundheit des Babys nicht zu gefährden. Es ist aber sehr selten und weniger als 1 von 10.000 Kindern haben diese Form. Es ist übrigens eine Erkrankung, die wir im Neugeborenen-Screening analysieren.

Milcheiweiß-Allergie

Das ist bei Babys die häufigste Form. Es ist aber wirklich eine Allergie und hat nichts mit Laktose zu tun, sondern mit Antikörpern, die Milcheiweiß erkennen, allergisch reagieren und dann zu Verdauungsproblemen führen. Das haben etwa 3% der Babys und oft geht es mit dem steigenden Alter wieder weg.

Wenn eine Person zu Ihnen kommt und sagt, sie möchte eine Laktoseintoleranz-Analyse, dann ist die Antwort nicht ganz so einfach, wie viele denken.


Welche Analyse sollten wir jetzt machen?

Ist die Person älter als 5 Jahre und hat Verdauungsprobleme, dann ist die Chance gut, dass es die Primäre Laktoseintoleranz ist. Sie wird im steigenden Alter immer wahrscheinlicher. Im Alter von 40-70 ist es sehr wahrscheinlich die Primäre Laktoseintoleranz. Sie kann aber schon ab dem 5-6 Lebensjahr auftreten, vorher allerdings nicht.

Die erworbene Sekundäre Laktoseintoleranz, wo der Darm die Laktose nicht aufnehmen kann, kann im Laufe des ganzen Lebens entstehen. Es ist eine relativ seltene Erkrankung, die man mit einem normalen Laktoseintoleranz-Atemtest testen muss. Dabei wird einfach Laktose getrunken und man schaut, vereinfacht gesagt, wie schlecht der Person wird. Beziehungsweise wird Wasserstoff durch die Bakterien produziert, was man auch ausatmet und messen kann. Es gibt also einen Standard-Atemtest, aber es ist wie gesagt eine seltene Erkrankung


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